Jahresrückblick
Kommen wir nun zur Rubrik "Amtlicher Musikgeschmack". Schauen
wir also, wie weit ich in diesem Jahr wieder neben dem Geschmack der
amtlichen Musikgazetten für die "etwas reifere Jugend"
liege.
Von den 50 Jahresbesten im Musik Express haben sechs auch mein
Wohlwollen, zwei sind sogar in meiner Top10 zu finden: Ja,
Panik (#17 im ME, Platz #5 bei mir) und Bill
Callahan (#48 im ME, Platz #2 bei mir). Bon Iver
(#5), Fleet Foxes (#6), Wilco
(#14) und Iron & Wine (#18) haben es bei
mir immerhin in's "graue Mittelfeld" geschafft. Nur mein Gewinner
Niels Frevert wird leider schmählich ignoriert.
Im Gegenzug konnte ME-Gewinnerin PJ Harvey bei mir leider nicht
landen, bzw.: ich hab mir ihre neue CD bisher noch gar nicht angehört,
was ich aber vielleicht nachholen sollte.
Beim Rolling Stone sieht es viel besser aus: drei meiner Top10-Perlen
sind auch dort hoch geschätzt: Bill Callahan
(#3), Ja, Panik (#4) und Laura
Marling (#15 im RS und #7 bei mir). Wilco wurden
zum Sieger erklärt, mein Held Niels Frevert
schafft es sogar auf Platz #9. Auch Bonnie 'Prince'
Billy (#12), die Decemberists (#19),
Iron & Wine (#22), Nick
Lowe (#23) und die Jayhawks (#24) sind dort
unter den 25 Besten. Hey, das sind ja immerhin 9 von 25!
(07.01.2012)
Heute schaue ich mir meine kleine Liste zum ersten Mal mit etwas kritischer
Distanz an. Was mir als erstes auffällt: gute Songs sind nach wie
vor besonders wichtig, ob ich eine Platte mag, aber dieses Jahr gibt
es des Öfteren eine Verbindung über ein Livekonzert: für
Niels Frevert (Platz #1) und Bill
Callahan (Platz #2) hatte ich bereits eine Konzertkarte gekauft
und war dann blöderweise verhindert. Tim Neuhaus
(Platz #3) spielte am 20.03. im Studio 672 in Köln, das
sich im Keller vom Stadtgarten befindet, wo am gleichen Tag und
zur gleichen Zeit The Head & The Heart
(Platz #8) als Vorgruppe von The Low Anthem
(mit Platz #11 leider knapp an meiner Top 10 vorbeigeschrammelt) gespielt
haben. Für dieses wunderbare Doppelkonzert hatte ich eine Karte
und war auch tatsächlich dort! Unter den weiteren tollen Konzerten
von Bands aus dieser Liste sei noch das Heimspiel von M.
Walking On The Water in Krefeld erwähnt.
Was gab es für Überraschungen? Einige Künstler hatte
ich bisher nicht auf dem Radar oder sie sind (zumindest als Solokünstler)
neu dabei ( Laura Marling, Tim
Neuhaus, Ja, Panik, The
Head & The Heart), aber es gab auch ein paar "sichere Kandidaten",
die ich schon lange mag (Gillian Welch, Damon
& Naomi). Vier Platten stammen aus sogar Deutschland bzw dem
deutschsprachigen Raum (Niels Frevert aus Hamburg,
Tim Neuhaus aus Weißeidernichwo, die M's
natürlich vom Niederrhein und die Panik-Brüder
aus - Überraschung & Premiere! - Österreich). Dazwischen
passt das Ehepaar Tedeschi-Trucks mit
ihrem Südstaaten-Mainstream-Blues-Jam-Rock eigentlich nicht, aber
"Revelator" hat eben alles,
was ich schätze: es klingt toll, Susan Tedeschi singt phantastisch
und Derek Trucks spielt die beste Slidegitarre unter der Sonne.
Aber vor allem gilt: auch hier sind die Lieder gut.
(04.01.2012)
Die Auswahl der Platten des Jahres hatte sich schon eine ganze Weile
abgezeichnet und ich war ja auch durch ein gewisses "Vorsortieren"
schon vorbereitet, aber die Platzierungen von Platz 2 bis 10 habe ich
dann heute nachmittag in einer kleinen Marathon-Höraktion ziemlich
spontan entschieden. Aber so soll es ja sein. Weitere Kommentare zu
den einzelnen Goldstücken dann in den nächsten Tagen.
(28.12.2011)
Das Album des Jahres
| #1: Niels Frevert: "Zettel Auf Dem Boden" (Tapete, Nov. 2011) |
|
Nach zwei, dreimaligem Hören mutiert der Zettelkasten doch
tatsächlich zu meinem ersten ernsthaften Jahresfavoriten! Es ja nun tatsächlich zum ersten Platz gereicht! Platten aus
der Heimat sind ja nichts Exotisches mehr in meiner kleinen Jahresauswahl,
aber dieses mal ist es ja sogar etwas auf deutsch Gesungenes. Im
Grunde ist es mir aber völlig unwichtig, woher der Künstler
kommt, aber mich mit deutscher Zunge zu überzeuge, das ist
schon ziemlich schwierig! Ich gestehe, dass mittelmäßige
englische Text kein so großes Problem für mich wären,
während das in Deutsch einfach nicht gehen kann, weil ich da
den Kopf nicht abschalten kann. Auf jeden Fall ist Niels Frevert
einer der allerbesten deutschen Liedermacher und braucht den Vergleich
mit der Konkurrenz aus den USA und von den britischen Inseln nicht
zu scheuen. Und bei mir sowieso nicht. |
weitere
Highlights des Jahres (die Top 10)
| #2: Bill Callahan: "Apocalypse" (Drag City, April 2011) |
Lange habe ich gebraucht, um Bill Callahan als das zu erkennen,
was er ist: einer der besten aktuellen Songschreiber aus den USA.
Die Musik ist zwar nicht wirklich ungewöhnlich, wegen die kompositorische
Handschrift von Callahan - und natürlich auch wegen seiner markanten
Stimme (ist das schon Bariton?) - aber auf jeden Fall etwas Besonderes.
Außerdem trägt der Mann so weit ich weiß keinen Zauselbart.
Es geht also auch ohne ...(08.05.2011) |
| #3: Tim Neuhaus: "The Cabinet" (Grand Hotel van Cleef, Jan./März 2011) |
Der mir bislang unbekannte Tim Neuhaus ist studierter Schlagzeuger
und war Begleiter u.a. bei Künstlern wie Clueso oder der
Blue Man Group und legt hier auf dem schicken Hamburger Plattenlabel
von Kettcar und Tomte
ein tolles Album als Singer/Songwriter vor. Geboten wird unspektakulärer,
englisch gesungener Folkpop der guten Art, der mit wiederholten Hören
immer besser wird. Noch mehr singende und songschreibende Trommler gibt es hier zu bestaunen. Die CD gab's bereits im Januar, das Vinyl vom März ist mit Downloadgutschein: wie immer eine Freude, so etwas! (20.03.2011) |
| #4: M. Walking On The Water: "Flowers For The Departed" (Fuego, Jan. 2011) |
Das Comeback der besten Band vom Niederrhein! Es ist schon erstaunlich,
wie Markus Maria Jansen und Mike Pelzer mit ihren Begleitern
auf höchstem Niveau weitermachen mit zeitloser Musik, als wären
nicht mehr als 10 Jahre vergangen seit den letzten gemeinsamen Tönen.Mehr darüber, wie die Band wieder auf meinem Radar aufgetaucht ist, findet Ihr bei meinem Geschreibsel über den Grabbelkisten-Fund "Pluto". (04.02.2011) |
| #5: Ja, Panik: "DMD KIU LIDT" (Rough Trade/Staatsakt, April 2011) |
|
P.S.: Schaut Euch mal ein paar der launischen Videos der Band an.
Nach dem Genuß ebendsolcher ist bei mir "der Wiener
an sich" wieder deutlich in der Wertschätzung
gestiegen. Alle, die mit mir zusammen 1977 auf Klassenfahrt in Wien
waren, wissen wovon ich rede. Alle anderen wahrscheinlich auch. |
| #6: Tedeschi Trucks Band: "Revelator" (Sony/Masterworks, Juni 2011) |
Das ist fast schon Mainstream-Rock, Abteilung Südstaaten, den
das Ehepaar Susan Tedeschi und Derek Trucks hier mit
11köpfiger Band abliefert. Der kommt so gut und gleichzeitig
so unspektakulär und unaufgeregt daher, dass auch ich als alter
"Mainstream-aus-dem-Weg-Geher" (kein Hasser!)
hier nur sagen kann: toll! Dereks Gitarre steht, wie schon bei den
Allman Brothers und seiner eigenen Derek Trucks Band,
über jeder Kritik. Susan Tedeschi singt locker in der
Liga von Bonnie Raitt (und dabei Sheryl Crow an die
Wand!), die Band ist wunderbar (natürlich mit zwei Drummern,
wie sich das beim Südstaatenrockern so gehört!), aber vor
allem: die Songs sind gut und nicht einfach bloß Vehikel für
lange Jams (was ich allerdings manchmal auch mag).(19.06.2011) |
| #7: Laura Marling: "A Creature I Don't Know" (Virgin, Sept. 2011) |
Schon vor einiger Zeit wurde mir diese CD von meinem Breisgau-Buddy
Wulf an's Herz gelegt, aber irgendwie hatte ich da wohl eine ziemlich
lange Leitung. Jetzt stöbere ich durch meinen Stapel mit "Noch-Nicht-Richtig-Gehört"-CDs
und bin doch sehr angetan: bei Laura Marlings dritter CD stimmt tatsächlich
alles: Stimme, Songs, Arrangements und Instrumentierung. Verdammt
gut, diese CD! Und genauso wie der Glitterhaus-Mann sollte auch ich
mich wohl bald mal mit dem Backkatalog der jungen Dame aus England
beschäftigen!(25.12.2011) |
| #8: "The Head And The Heart" (Heavenly Recordings, April 2011) |
Das Debütalbum einer neuen Folkband aus Seattle, die ich kürzlich
im Vorprogramm von The Low Anthem geniessen
konnte. Eigentlich ist die Band nicht besonders spektakulär,
aber ein paar Details fielen schon im Konzert auf und heben die Band
aus der Masse der US-Folkrocker heraus: gleich zwei singende, bärtige,
klampfende, sich als Frontleute abwechselnde Songschreiber und eine
dritte, weibliche Stimme zur Ergänzung erzielen eine ganz besondere
gesangliche Wirkung, auch wenn das nicht so spektakulär daherkommt
wie bei den Fleet Foxes (eben ohne deren Hall!), von denen
auch ein neues Album auf dem
Weg zu mir ist. Dazu kommt als musikalischer Mittelpunkt ein ausgezeichneter
Pianist, der zusätzlich auch noch für die komplexen Gitarrenparts
zuständig ist.(08.05.2011) |
| #9: Gillian Welch: "The Harrow & The Harvest" (Atlantic, Juni 2011) |
ACHT JAHRE mussten wir auf dieses Album warten - und dann war es ganz
plötzlich da. Gillian Welch und Dave Rawlings pur
- zwei Stimmen - zwei Gitarren. Wunderbar.(07.08.2011) |
| #10: Damon & Naomi: "False Beats & True Hearts" (Broken Horse, Mai 2011) |
Es gibt eine handverlesene Zahl von Künstlern, von denen ich
mir ein neues Album ungehört kaufen kann und nie enttäuscht
werde: Damon Krukowski und Naomi Yang, auch ein (Ehe?-)Paar
wie Tedeschi & Trucks, ehemalige
Rhythmusgruppe von Galaxy 500,
gehören definitiv dazu! Seit etwa 20 Jahren sind sie als Duo
unterwegs, seit 10 Jahren mit Michio Kurihara von der japanischen
Band Ghost als fest dazugehörendem Gitarristen. Die drei
werden sogar von Platte zu Platte immer besser.(19.06.2011) |
auch gut ...
| The Decemberists: "The King Is Dead" (Rough Trade, Jan. 2011) |
Mit Elvis P. kann ich altersbedingt wenig anfangen, weswegen ich mich
zuerst auch nicht für das neue Album der Folkrocker aus dem Nordwesten
der USA interessiert habe. Zwar habe ich die Texte jetzt
noch nicht im Detail studiert, aber ich kann in der Musik
auf jeden Fall keinen Bezug zu dem King erkennen. Stattdessen
ist die wunderbare Produktionshandschrift von Tucker Martine
(Laura Veirs etc.) nicht zu überhören,
einem Meister der Zusammenführung akustischer und elektrischer
Instrumente. Im Chor sind ausserdem die wunderbare Gillian
Welch und ihr Partner Dave Rawlings
dabei. Da fällt mir ein: haben die beiden nicht mal einen "Elvis
Presley Blues" geschrieben? Fragen über Fragen!(03.04.2011) |
| Anna Depenbusch: "Die Mathematik Der Anna Depenbusch" (105 Music, Jan. 2011) |
Keine Ahnung, wo und wann ich dem Charme der Anna Depenbusch
verfallen bin. Exzellenter Singer/Songwriter-Pop in Deutsch aus der
ersten Liga. Sonst ist das ja eigentlich nicht mein Fachgebiet, aber
es klingt eben doch toll. Aber nicht wie Annette Louisian oder so.(18.04.2011) |
| Iron & Wine: "Kiss Each Other Clean" (4AD, Jan. 2011) |
Der musikalische Zauselbart Sam Beam ist also jetzt für
Europa beim englischen Kultlabel 4AD (This
Mortal Coil, Pixies, Birthday
Party, Tindersticks,
etc.) gelandet, was durchaus Sinn macht! Waren die frühen Alben
noch ganz puristisch angelegt (ein Mann und seine Gitarre!), so kommt
er inzwischen mit voller Band daher, was sicherlich den einen oder
anderen alten Fan stören könnte, aber mir gefällt's.
Ok - vielleicht ist da ein klein bisschen zuviel Saxofon zu hören,
aber das ist ja schon fast wieder etwas Exotisches bei einer "Indie"
bzw."Alternative"-Produktion und klingt hier auch nicht
nach "Baker Street" oder "Year
Of The Cat", sondern eher nach Morphine
- wenn Ihr wisst, was ich meine!(13.02.2011) |
| Kraan : "Diamonds" (Bassball, Jan. 2011) |
Ich kenne die Band natürlich schon seit einer gefühlten
Ewigkeit - also seit Mitte der 70er - und habe sie auch eigentlich
immer gemocht, war trotzdem nie wirklich ein Fan von Basslegende Helmut
Hattler und den Wolbrandt-Brüdern Peter (Gitarre)
und Jan Fride (Schlagzeug). So besitze ich von damals auf Vinyl
nur das '75er-Album "Let It Out"
und habe mir die ganzen alten Platten davor erst in den letzten Jahren
als günstige Reissues auf CD besorgt. Das neue Album mit dem
etwas langweiligen Titel "Diamonds" habe ich mir ohne besonderen
Grund aber wieder direkt bei der Veröffentlichung gegönnt.
Beim Hören des typischen Kraan-Sounds, dieses mal im Trio ohne
Keybarder Ingo Bischof, kommen gleichzeitig nostalgische Gefühle
und echte Begeisterung für eine richtig gute Band auf, die nach
fast 40 Jahren immer noch kreativ zur ersten Liga gehört - zumindest
in Deutschland. Ich finde sogar, dass der Hattler heutzutage
viel angenehmer und entspannter seinen Bass bedient als damals (er
hat mich zugegebenermaßen früher mit seinem plektrumbetriebenen
Leadbass manchmal genervt, aber nie so sehr wie dieser
schreckliche släppende Kerl von Level 42, dessen Namen
mir zum Glück gerade nicht einfallen will!).(28.01.2011) |
| Arbouretum: "The Gathering" (Thrill Jockey, Feb. 2011) |
|
Ich hab mir gerade mal was überlegt: Arbouretum - das klingt,
als würden Black Sabbath Songs von Fairport Convention
spielen. Ein amüsanter Gedanke? Maybe. Aber wie wäre es
mit einer Band, die wie Fairport Convention klänge,
wenn diese Black Sabbath covern würden? Vielleicht kein
ganz so amüsanter Gedanke! Oder doch? |
| Cowboy Junkies: "Demons" (Latent, Feb. 2011) |
Die kanadische Familie Timmins würdigt mit diesem Album den vor
einiger Zeit verstorbenen US-amerikanischen Singer/Songwriter Vic
Chesnutt, den ich selber als Songschreiber immer
grandios fand, aber nicht immer als Interpreten seiner
eigenen Lieder (manches toll, vor allem die
späten Sachen auf dem kanadischen Constellation-Label, manches
weniger toll, manches kenne ich auch gar nicht vom eigenen Hören).
Aber jetzt interpretiert von der göttlichen Margo Timmins:
da bin ich fast sprachlos!(20.02.2011) |
| The Low Anthem: "Smart Flesh" (Nonesuch, Feb. 2011) |
Das ist definitiv eine der besten aktuellen Bands im Spannungsbereich
von Country, Folk und Rock bzw. von "Alternative" und "Americana".
Bereits im Sommer 2009 konnte mich das zweite Album "Oh
My God, Charlie Darwin" begeistern, im Sommer 2010 konnte
mich die Band dann im Spiegelzelt vom Haldern-Festival auch live überzeugen.
Am 20. März ist die Band in Köln zu Gast - und ich habe
natürlich längst mein Ticket ...(06.03.2011) |
| The Twilight Singers: "Dynamite Steps" (Sub Pop, Feb. 2011) |
Greg Dulli, mein alter Held aus Afghan
Whigs-Zeiten hat nach dem Intermezzo mit Mark
Lanegan als Gutter Twins
wieder seine Band "Twilight Singers" am Start, wobei "Band"
etwas zu viel gesagt ist: Dulli spielt als einzige Konstante der Lieder
mit vielen verschiedenen Musikern zusammen, sodass der einzige Unterschied
zu "Saturnalia"
von den Gutter Twins der ist, dass Mark
Lanegan nur auf einem einzigen Lied als Gast dabei ist. (13.03.2011) |
| Eleventh Dream Day: "Riot Now!" (Thrill Jockey, März 2011) |
Wie
doch die Zeit vergeht! Seit 25 Jahren hält die Band an ihrer
Rockmusik fest, die irgendwo zwischen Neil Young und Sonic
Youth liegt, ohne abzukufern und ohne dabei je langweilig geworden
zu sein. OK - die Band ist nicht mehr so produktiv wie in den späten
80ern, frühen 90ern, wo sie sogar mal bei Atlantic unter
Vertrag standen, macht aber immer noch gute Musik. Nicht modern, nicht
alt - zeitlos. Mit Sänger/Gitarrist Rick Rizzo, Schlagzeugerin
Janet Bean und Bassist Doug McCombs sind sogar noch
drei der Gründungsmitglieder dabei. Zwar scheint 11DD
nicht mehr die Hauptaktivität der drei zu sein (McCombs
ist mit Tortoise recht erfolgreich, Bean hat- oder hatte
- die Folkband Freakwater, auch Rizzo hat bestimmt andere
Projekte laufen, die mir aber nicht bekannt sind), aber vielleicht
bekommt das ja der Musik besonders gut, wenn man/frau sich alle paar
Jahre trifft, um so eine rotzige Rockplatte rauszuhauen?(27.03.2011) |
| Williams Fitzsimmons: "Gold In The Shadow" (Grönland, März 2011) |
|
Im Prinzip kommt William auch auf seiner neuen Platte mit einer
einzigen Akkordfolge aus (Am G F, in unterschiedlichen
Tonlagen und in unterschiedlicher Reihenfolge) und eigentlich auch
mit einer Melodie. Das klingt zwar alles schön (ja - ich mag
das!), aber ist auf die Dauer vielleicht doch ein bisschen zu wenig:
zuwenig auf jeden Fall für mein Album des Jahres 2011. |
| Josh T. Pearson: "Last Of The Country Gentlemen" (Mute, März 2001) |
Von dem Mann hatte ich bis vor Kurzem noch nie gehört, aber gute
Kritiken und ein paar You-Tube-Filme haben mich neugierig gemacht.
Das Covermotiv hatte dabei natürlich keine Rolle gespielt. Hier ein paar Informationen zum Debütalbum des bärtigen Burschen, der da vor der Lady kniet: stammt aus Texas, singt und spielt die akustische Gitarre, lebt in Paris, hat fast ohne weitere Musikanten in Berlin aufgenommen (ab und zu sind ein paar Streicher zu hören). Macht 1ominütige Lieder mit den allerwenigsten Zutaten ohne zu langweilen und ohne technische Kunststückchen, aber man hört sofort, dass da was ganz Besonders entstanden ist. Auch die Plattenfirma ist eine kleine Überraschung: das Londoner Mute-Label ist - soweit mir bekannt - ansonsten eher für Synthie-Pop (Depeche Mode) und andere leicht extravagante Künstler mit Wurzeln in den 80ern bekannt (z.B. Nick Cave und die Crime & The City Solution). (13.03.2011) |
| Teddy Thompson: "Bella" (Verve Forecast, März 2011) |
Ein neues Album vom talentierten Sohn meines Lieblinxgitarristen ist
natürlich Pflichtkauf für mich - und weil "talentiert"
ist das natürlich keine Qual oder Belastung. Es klingt gut (vielleicht
eine Spur zu gut!) und der Papa haut ein paar schöne Soli raus,
aber ich weiss noch nicht, ob ich es richtig gut finde. "Schau'n
wir mal" -würde eine berühmte Münchener Lichtgestalt
sagen! (18.04.2011) |
| Lucinda Williams: "Blessed" (Lost Highway, März 2011) |
Lucinda Williams ist für mich natürlich eine der besten
singenden Songschreiberinnen. Viele ihre Alben sind für mich
echte Juwelen (vor allem "Lucinda
Williams" von 1989 und natürlich "Car
Wheels On A Gravel Road") von 1998. In den letzten Jahren
hat sie mich mit ihren Veröffentlichungen aber irgendwie gelangweilt,
etwa mit "West" von 2007.
Das bis jetzt letzte Album "Little
Honey" (2008) fand ich dann auch nicht viel besser . Jetzt
bin ich aber wieder schwach geworden bei der limitierten Vinylausgabe
(2 x 180 Gramm schwarzes Gold und zwei (!) CDs als Beigabe) mit dem
wunderschönen Cover. Vor dem Hören war ich etwas ängstlich: Habe ich da etwas mehr als 20 Oiro in den Sand gesetzt oder gibt es zur Abwechslung mal wieder ein richtig gutes Album? Die Wahrheit liegt wohl zwischen den beiden Extremen: es klingt zwar alles ganz schön, aber die ganz großen Songs kann ich (noch?) nicht erkennen. Warten wir also auf den zweiten Höreindruck ... (13.03.2011) |
| Alela Diane: "Wild Divine" (Rough Trade, April 2011) |
Zuletzt gab sie sich auf dem Cover ihrer EP "Alela
& Alina" zusammen mit Freundin Alina Hardin sehr
glamurös, während die Musik puristischer Folk blieb. Beim
neuen Vollalbum kann man die Musik zwar immer noch
nicht als glamorös, aber auch nicht mehr als puristisch bezeichnen.
Der bekannte Produzent Scott Litt (R.E.M., Patti Smith, Replacements,
Indigo Girls, etc.) sorgte bei offensichtlich erstmalig größerem
Etat für einen vollen Sound mit Bass und Schlagzeug, holte sogar
den Keyboarder Larry Goldings in's Studio, der seine Orgel
sonst eher für Künstler vom Kaliber James Taylor,
Norah Jones oder Melody Gardot anschmeißt. Erste
Kritiken zum Album klingen nicht mehr so begeistert wie zuvor, sprechen
fast von "kommerziellem Ausverkauf" - und das wohl nur,
weil Alela zum ersten mal ein wenig mit Rock & Pop flirtet! Zwar
gefallen auch mir die beiden schlagzeuglosen Lieder, jeweils am Ende
der beiden Seiten meiner schwarzen Scheibe, beim ersten Hören
am besten, aber eigentlich kann man Scott und Alela keinen ernsthaften
Vorwurf machen, wenn die Musik plötzlich wie Fairport Convention
zu Zeiten der seligen Sandy Denny klingt! Warten wir doch einfach
mal ab, welche Langzeitwirkung die neuen Lieder haben.(08.05.2011) |
| Alin Coen Band: "Wer Bist Du?" (Pflanz Einen Baum, CD: Sept. 2010, LP: April 2011) |
Hier weiß ich, wie ich d'rauf gekommen bin. Ich sag nur: Doppelvinyl
+ MP3-Gutschein. Da war auch zusätzlich kein Foto der
Dame auf dem Cover mehr erforderlich. Bald auch in der ersten Liga
wie Frau Depenbusch?Interessanter und ungewöhnlicher Punkt am Rande: 7 Lieder in Deutsch, 7 Lieder in Englisch - und es passt trotzdem (?) alles zusammen! (18.04.2011) |
| The Feelies: "Here Before" (Bar/None, April 2011) |
Die Feelies gehörten immer schon zu meinen allerliebsten Gitarrenschrammlern.
Nach 20 Jahren Unterbrechung gibt es jetzt ein neues Album, auf dem
die Band einfach so tut, als wäre nichts gewesen und einfach
göttlich weiterschrammelt ... (09.06.2011) |
| Fleet Foxes: "Helplessness Blues" (Bella Union, April 2011) |
|
Der "Hilflosigkeitsblues" ist, nicht ganz verwunderlich
bei dem Titel, etwas schwerer zugängig als das Debüt,
aber Sorgen sind unbegründet: klasse Platte, klasse Lieder.
Einziges Manko, wenn auch unverschuldet: der Überraschungseffekt
ist weg. |
| Guru Guru: "Doublebind" (inakustik/Trance Music, April 2011) |
Mehr als 20 Alben in43 Bandjahren: eine wirklich beeindruckende Leistung.
Aber alleine deshalb muss man sich das neue Guru Guru-Album natürlich
nicht anhören oder mögen. Mir gefällt's sogar noch
besser als die Jubiäums-Platte "Psy"
von 2008, obwohl es weniger aufwändig aufgenommen wurde (es klingt
fast wie live im Studio eingespielt) und bis auf eine Sitareinlagen
im Lied #4 ganz ohne Gastmusiker auskommt. Einziges Manko: die drei
schwächsten, weil zu sehr rockenden Lieder, stehen direkt am
Anfang - aber danach wird's richtig gut. Highlight ist Lied #4, die
indisch angehauchte Hippie-Improvisation mit dem etwas tüdeligen
Namen "Chabbli-Babbli".(18.05.2011) |
| The High Llamas: "Talahomi Way " (Drag City, April 2011) |
Beste Beach-Boys-Reinkarnation, noch vor Brian Wilson und seiner
Liveband. Sean O'Hagan und seine Kapelle gibt es ja immerhin
auch schon seit ca. 10 Jahren. Wunderschönes Cover - Wunderschöne
Musik: WYSIWYG! (18.05.2011) |
| Alison Krauss & Union Station: "Paper Airplane" (Rounder, April 2011) |
Wer mich ein wenig als Musikhörer und Musikmacher kennt, der weiß: ich habe eine sehr große Schwäche für gute Coversongs. Meistens solche, die nicht jeder kennt, wobei es eigentlich keine Rolle spielt, daß sie unbekannt sind, sondern daß es sich um tolle Lieder handelt - und der Kenner weiß ja sowieso bescheid. Als Musiker waren Waiting For Louise jahrelang im Spannungsfeld Rock/Country/Bluegrass mein Vehikel für dieses Bedürfnis, aber natürlich ist das Songschreiben noch schöner als das Songausgraben. Der Forscher und Fan in mir lebt sich immer noch bei der Band Songs To The Siren aus, wenn sich das Spannungsfeld auch etwas verlagert hat (Tim Buckley, Nick Drake, John Martyn, Jazz, Krautrock, ...). Als Hörer waren oft die Platten von Künstlern Inspiration, die die gleiche Art von Liedern ausgegraben haben: Emmylou Harris und Linda Ronstadt sind als bekanntere Namen zu nennen, aber zum Beispiel auch Rita Coolidge: wunderbare Alben, voll mit Liedern von bekannten Songschreibern wie Dylan und Neil Young, aber auch neu zu entdeckenden Songschreibern wie Jesse Winchester. Emmylou schreibt inzwischen ebenfalls ihre eigenen Lieder und von Linda und Rita hört man leider nicht mehr viel. Gut deshalb, dass es Alison Krauss gibt, die uns schon zusammen mit Robert Plant besonders schöne Interpretationen von Gene Clark- und Townes van Zandt-Liedern lieferte. Nach einer ziemlich langen Pause hat sie nun mit ihrer alten Band Union Station, in der die allerbesten Saitenkünstler der Bluesgrassszene versammelt sind (zum Beispiel Dobromeister Jerry Douglas!), eine ausgezeichnete Platte vorgelegt, die alleine schon wegen der Liederauswahl ein Muss für mich ist: "Dust Bowl Children", komponiert von Peter Rowan (und gesungen vom Gitarristen der Band, Dan Tyminski), "Dimming Of The Day" (natürlich von Richard Thompson) und "My Opening Farewell" von Jackson Browne. Manch einer wird Alison und ihren Junx jetzt vielleicht den Vorwurf
machen, daß das alles "zu perfekt"
umgesetzt sei, aber ich kann dem nicht zustimmen: Alison Krauss
hat einfach eine der besten Stimmmen im Bereich Folk/Country und
Jerry Douglas ist nach meiner Einschätzung am Dobro
sowieso der Beste überhaupt. Und auch Sänger/Gitarrist
Dan Tyminski, Banjospieler Ron Block und Bassist Barry
Bales gehören zur ersten Liga. Und diese fünf Musiker
können einfach nicht "unperfekt"
musizieren. Naja - vielleicht hätten T-Bone Burnett
oder Buddy Miller als Produzenten etwas Schmutz in den Klang
gebracht (so wie auf "Raising
Sand" und "Band
Of Holy Joy"), aber eigentlich mag ich den "perfekten"
Klang von Union Station. |
| Motorpsycho: "Roadworks Vol. 4: Intrepid Skronk" (Stickman, April 2011) |
Live-Dippel-Vinyl von den Europatourneen der Jahre 2008 bis 2010.
Insgesamt nur 6 Lieder auf 4 Plattenseiten zeigen die ganze Kraft
und Schönheit dieser Band. Und beim Kölner Konzert im vergangenen
Sommer war ich sogar dabei!(18.05.2011) |
| Old Calf: "Borrow A Horse" (No Quarter, April 2011) |
Das Debütalbum der Band aus dem Mittelwesten der USA um den Sänger
und Gitarristen Ned Oldham bringt eigene Musik zu alten Folktexten
(z.B. "The Cuckoo"). Musikalisch kann man das auch weitestgehend
als Folkrock bezeichnen, manchmal erinnern die zart ausufernden Instrumentalpassagen
sogar an die Grateful Dead, die ja auch gerne alte Folksongs
als Basis ihrer musikalischen Exkursionen genommen haben. Die Stimme
Ned Oldham erinnert unüberhörbar an seinen (großen?)
Bruder Will, besser bekannt als Bonnie
'Prince' Billy, bei dem Ned zu Palace
Brothers-Zeiten ja auch Bass gespielt hat, aber ohne als Kopie
zu wirken.Das wunderschöne Cover kommt in der Vinylausgabe besonders gut zur Geltung, die im übrigen nicht teurer ist als die CD und sogar noch den MP3-Download-Gutschein gratis dabei hat: "Kaufen, liebe Leute!" sag ich da nur. (22.05.2011) |
| The Silos: "Florizona" (Blue Rose, April 2011) |
Blödes Cover, lahmes Wortspiel im Titel, aber ansonsten bestes
Silos-Album seit langem!(18.05.2011) |
| Brent Cash: "How Strange It Seems" (Marina, Mai 2011) |
Album #2 des Trommlers aus Athens/Georgia, der den schönsten
60er-Pop seit den Beach Boys, The Association und The
Free Design erschafft. Und das alles natürlich bei dem besten
Label für solche Musik: Marina Records aus Hamburg, die
nach einer Pause von etwa zwei, drei Jahren zum Glück doch weiter
(oder wieder?) am Start sind. Das freut mich sehr. Auf Brent Cash
bin ich im übrigen vor wenigen Monaten ganz unspektakulär
über Datenbankrecherche gestossen: nachdem mich das Comebackalbum
von The Free Design bei Marina
so beeindruckt hatte gab ich bei einem Internethändler meines
Vertrauens in dessen Suchmaschine zwei kleine Suchbegriffe ein: Marina
und Vinyl: eine der Empfehlungen war dashs 2008er Debüt
"How Will I Know If I'm Awake" von dem mir bislang völlig
unbekannten Brent Cash, welches ich dann sofort geordert habe.
Das neue Album hab ich jetzt sofort geordert und kann schon nach dem
ersten Hören sagen: noch besser als beim ersten Versuch!(10.06.2011) |
| John Martyn: "Heaven And Earth" (Liason, Mai 2011) |
Das letzte Album eines meiner Helden, an dem er bis zu seinem Tod
vor etwa zwei Jahren gearbeitet hat, fertiggestellt von den Produzenten
Garry Pollitt und Jim Tullio - und auch das erste, dass
ich mir seit vielen Jahren zeitnah zur Veröffentlichung angeschafft
habe! Die Glanztaten liegen schon sehr lange zurück ("Bless
The Weather" von 1971, "Solid
Air" von 1973 und "One
World" von 1977), bei den Veröffentlichungen in den
80er- und 90er und 00er Jahren hatte ich dann im Laufe der Jahre den
Anschluss verpasst bzw. den Überblick verloren. Warum habe ich
jetzt doch wieder zugegriffen? Es ist eben sein letztes Album und
wurde zur Abwechselung auch mal wieder durch die journalistische Öffentlichkeit
wahrgenommen, sodass ich auch Bescheid wusste von seiner Existenz.Was soll ich jetzt sagen zur Musik? Natürlich nicht so gut wie in den 70ern. Zum Glück zwar keine üblen Drummcomputer und Keyboards wie in den 80ern, leider aber auch keine schönen Akustikgitarren wie in den seligen 70ern. Gesanglich machmal in der Nähe einer Kröte (wenn man's nicht mag) oder Dr. John (wenn man's doch mag, so wie ich). Also wohl kein Meisterwerk (wie vereinzelt schon wieder behauptet wird), aber doch seine beste Platte seit langem. Und ein schöner Abschied. (05.11.2011) |
| Efrim Manuel Menuck Plays: "High Gospel" (Constellation, Mai 2011) |
Das für mich unerwartete Solodebüt des wunderbar exzentrischen
kanadischen Gitarristen und "Sängers" von Thee
Silver Mt. Zion und von Godspeed
You! Black Emperor knüpft nahtlos an deren Großtaten
an. Irgendwo zwischen Krach, Kunst und Schönheit. Und wie immer
bei Constellation ist die Vinylausgabe (mir beiliegender CD!)
ein optischer und haptiler (heißt das so?) Hochgenuss. Jetzt
fehlt nur noch ein neues Album der wieder aktiven Godspeeds!(05.07.2011) |
| Okkervil River: "I Am Very Far" (Jagjaguwar, Mai 2011) |
|
Nach dem zweiten Hördurchgang bin ich schon ein wenig klarer
in meinen Gedanken: ich schwanke in meiner Einschätzung zwischen
"zu kompliziert", "sehr interessant" und "leicht
nervig". |
| The Sea And Cake: "The Moonlight Butterfly" (Thrill Jockey, Mai 2011) |
Auch diese Band gehört bei mir zum "Club der Zuverlässigen",
von denen man sich ungehört jeden neuen Tonträger kaufen
kann, genauso wie von Damon & Naomi.
Das hat natürlich nichts mit Langeweile, sondern mit konstant
hoher Qualität zu tun. Dieses mal gibt es nur 6 Lieder zu hören,
alle irgendwo zwischen Gitarrenrock, Bossa Nova und Kraftwerk angesiedelt.
Sahnehäubchen ist aber wie immer die einzigartige Stimme von
Sänger & Gitarrist Sam Prekop.(05.07.2011) |
| Fink: "Perfect Darkness" (Ninja Tunes, Juni 2011) |
Der britische Ex-Technofrickler Fin Greenall mit seinem nächsten
perfekten Folk/Singer/Songwriter-Album. (05.07.2011) |
| Jolie Holland + The Grand Chandeliers: "Pint Of Blood" (Anti, Juni 2011) |
Diese Sängerin und Songschreiberin kannte ich bisher nur durch
ihr Mitwirken bei den Be Good Tanyas
und diversen Gastauftritten. Ein paar Hör- und Sehproben bei
JuchhuTube und die Tatsache , dass die Vinylausgabe
MIT BONUS-CD nicht mehr kostet als die pure CD, hat
mich schnell zum Kauf überredet. Der erste Höreindruck: Jolie Holland liegt stimmlich, wenn man/frau denn überhaupt vergleichen will, zwischen Cat Power und Lucinda Williams, aber ohne in irgendeiner Weise wie eine Kopie zu wirken. Zusammen mit Klasse-Songs und guter Schrammel-Folkrock-Instrumentierung macht das "Pint Of Blood" wohl aus dem Stand zu einem meiner Kandidaten für das Album des Jahres! (07.08.2011) |
| "Marissa Nadler" (Box Of Cedar, Juni 2011) |
Die Platte ist natürlich schon ein halbes Jahr alt, wurde von
mir aber gerade erst "entdeckt". Ähnlich wie Alela
Diane hat Marissa ihre im Kern wunderschöne "Feenmusik"
für meinen Geschmack etwas zu sehr modernisiert: Die Stimme ist
zwar wie immer wunderbar, die Lieder sind auch gut, aber der Klang
der Keyboards bei manchen davon gefällt mir leider gar nicht.
Ich bin wirklich kein Feind der Moderne, aber Marissas Liedern stehen
die alten Folkinstrumente doch deutlich besser. Und wenn schon Tasten,
dann bei solcher Musik doch lieber ein akustisches Harmonium oder
eine E-Piano. Oder wenigstens ein Keyboard mit gutem Orgelsound. Ich
bin ja schließlich kein Purist und es muss ja nicht so karg
sein wie bei Mirel Wagner. Doch trotz allem
Gemeckere gilt: eine schöne Platte. (25.12.2011) |
| Vetiver: "The Errant Charm" (Sub Pop, Juni 2011) |
Ist SOFT ROCK immer das, was man/frau braucht? Eher nicht. Darf man
heutzutage ungestraft kuscheligen SOFT ROCK spielen, vor allem, wenn
man bisher als Freak-Folk-Geheimtipp galt? Wenn es so gut kling, wie
bei Andy Cabic und seiner Band - Unbedingt! Witzigerweise kommen
bei mir neben den üblichen 70er-Jahre-Bands (Fleetwood
Mac, ...) zuerst Yo La Tengo
in den Sinn, wenn diese gerade ihre sanfte Seite gezeigt haben. Das
Allerwichtigste ist aber die wunderbare Simme von Andy Cabic. Zu den
Songs mit prognostizierter Langzeitwirkung sage ich vielleicht später
mal was Schlaues ...(15.07.2011) |
| Alexi Murdoch: "Towards The Sun" (City Slang, CD: April 2011, LP: Juli 2011) |
Drei Monate musste ich auf die Vinylversion mit MP3-Download-Code
vom Album #2 des schottischen, in Kalifornien lebenden Singer/Songwrters
warten, nachdem die CD anscheinend schon im April zu bekommen war-
aber es hat sich gelohnt. Ich will mich auch gar nicht lange mit den
Nick Drake-Vergleichen aufhalten, obwohl das eine angenehmere
Assoziation als zu - sagen wir mal - James Blunt wäre, sondern
die angenehme ruhige Stimmung des Albums hervorheben: sieben länger
Titel mit knapp über 40 Minuten, bei denen Murdochs Stimme und
Gitarre von gelegentlichen und dezenten eigenen Keyboard- und Perkussioneinlagen
und geschmackvollen Bläsern unterstützt wird. Mag ich sehr,
so etwas!(31.07.2011) |
| "Bon Iver" (4AD, Juli 2011) |
Nach dem überraschenden Erfolg seines Debütalbums von 2008,
das Justin Vernon noch mehr oder weniger alleine aufgenommen
hatte, jetzt der Nachfolger mit größerem Budget. Für
die Klasse des Künstlers spricht, dass auch dieses titellose
Album gelungen ist! (01.09.2011) |
| Portugal. The Man: "In The Mountain In The Cloud" (Atlantic, Juli 2011) |
Das sechste Album in sechs Jahren - das ist wohl eine stramme Leistung.
Als Anerkennung sind die Buschen jetzt sogar bei einer großen
Plattenfirma gelandet - gottseidank hört man das der Platte nicht
an. Weil mir das "elektronische" Album "American Ghetto" vom vergangenen Jahr weder musikalisch ("elektronisch" war vor allem das Schlagzeug!) noch optisch (keine sonderlich originalle Verpackung!) besonders gefallen hatte, wollte ich diesesmal zuerst auch nicht zugreifen. Weil man bei Atlantic, wie bei fast allen "großen Plattenfirmen", nichts von Gratis-Mp3s zur sowieso viel zu teuren Vinylausgaben hält, habe ich mir erstmals also eine Portugal-CD angeschafft: und die ist auch endlich wieder gut gelungen. Optisch mit verrücktem Klappcover (klapptechnisch zwar nicht ganz so verwegen wie bei Guru Guru) und musikalisch endlich wieder mit "richtigem Schlagzeug". (07.08.2011) |
| Dear Reader: "Idealistic Animals" (City Slang, Aug. 2011) |
"Replace Why With Funny",
das Debüt der südafrikanischen Band, besser gesagt: der
Sängerin/Songschreiberin Cherilyn MacNeil, war eines der
Glanzlichter von 2009. Jetzt sind natürlich die Erwartungen ziemlich
hoch - und werden nicht enttäuscht. Allerdinx werde ich das Album
erst einmal richtig auf mich einwirken lassen, bevor ich etwas Sinnvolles
darüber sagen möchte. Kauftipp: Vinyl mit Gratis-MP3s. (10.09.2011) |
| Jonathan Jeremiah: "A Solitary Man" (Island, Aug. 2011) |
Das Debütalbum des Sängers aus London ist mit viel Liebe
für's Detail über einen größeren Zeitraum entstanden.
Besonders gut gefallen mir seine tiefe & volle Stimme, die wunderbaren
Arrangements und Instrumentierungen, meistens mit Band und großem
Orchester eingespielt. Bei den Liedern bin ich nicht immer sicher,
ob sie "richtig gut" oder nur "ganz O.K." sind,
aber der Auftritt neulich in der Kölner Pampas in einem alten
Industriegelände (JWD= "Janz weit draußen") war
ziemlich gut. Hat sich gelohnt, der Abend - trotz "JWD".
Und eigentlich auch die Platte als solche.(30.11.2011) |
| Zwanie Jonson: "I'm A SunshineTime" (Staatsakt, Aug. 2011) |
Auch Christoph Kähler hat unter Pseudonym sein zweites
Album am Start. Auch hier werde ich wahscheinlich später mehr
erzählen, aber zuerst nur ein kleiner Hinweis an die anderen
Kritiker: Zwanies bekannteste Ernährer als Trommler mögen
zwar Fettes Brot und die Fantasierenden Vier sein, was
ich garnicht wusste, aber ich kenne ihn vor allem als Trommler der
wunderbaren Kapelle Veranda Music
und als Begleiter von Nils Koppruch
(bzw. Fink) und Wolf Maahn. Aus dieser Perspektive ist sein
"ausgeruhter Laidback-Softrock" dann vielleicht
auch nicht mehr so ganz so überraschend. Kauftipp: selbstverständlich die Vinylausgabe mit beiliegender CD. So ist's recht! (10.09.2011) |
| Maria Taylor: "Overlook" (Affairs Of The Heart, Aug. 2011) |
Maria Taylor musiziert ansonsten im Duo mit Orenda Fink unter
dem Namen Azure Ray und war mir bisher nur als Mitwirkende
auf Bright Eyes-Alben aufgefallen. Schöner, wenn auch
vielleicht nicht unbedingt essentieller Folk-Pop.(01.09.2011) |
| Bonnie 'Prince' Billy: "Wolfroy Goes To Town" (Domino/Drag City, Sept. 2011) |
Will Oldham hat im Moment echt einen Lauf! Nach gleich drei
wunderbaren Zehn-Zöllern
in den vergangenen Monaten gibt es jetzt sogar eine wunderbare Zwölf-Zoll-Langspielplatte!(21.10.2011) |
| Downpilot: "New Great Lakes" (Tapete, Sept. 2011) |
Eine Zufallsentdeckung! Paul Hiraga ist ein Singer/Songwriter
und Multiinstrumentalist aus dem Nordosten der USA (Seattle?), der
sich hinter diesem "Bandpseudonym" versteckt, so wie es
andere Kollegen auch gerne tun: denkt mal an Will Oldham A.K.A.
Bonnie "Prince" Billy, Bill
Callahan formerly known as Smog, Justin Vernon A.K.A.
Bon Iver, Fin Greenall A.K.A. Fink
oder die charmante Cherilyn MacNeil A.K.A. Dear
Reader) .(05.11.2011) |
| The Jayhawks: "Mockingbird Time" (Universal/Rounder, Sept. 2011) |
Erster Höreindruck: natürlich nicht so gut wie das '92er-Meisterwerk
"Hollywood Town Hall"
(wo sind die Ohrwürmer?), aber auf jeden Fall ein tolles Comeback.
Und eigentlich bin ich schon deshalb zufrieden, weil Mark Olson
und Gary Louris wieder zusammen singen. Leider ist die Vinylausgabe, wie so oft bei der Industrie, schweineteuer, sodass ich mich ganz profan für die CD entschieden habe! (10.09.2011) |
| Nick Lowe: "The Old Magic" (Yep Roc, Sept. 2011) |
Es
ist schon erstaunlich, auf welch hohem Niveau das "Alterswerk"
jenes Mannes ist, der als Jungspund in den späten 60ern mit seiner
Kapelle Brinsley Schwarz quasi
den Pubrock erfunden hatte, bei Stiff Mitte der 70er einer
der ersten Punkrock-Produzenten war, mit Dave Edmunds als Rockpile
gerockt hat, eine Zeit lang Schwiegersohn von Johnny Cash war
und ab den 80ern ein erstaunlich umfangreiches Alterswerk hingelegt
hat! Auf "The Old Magic" ist alles stimmig und ich kann
nur wenige Punkte für Kritik finden. Vielleicht den hier: etwas
zuviel 50er Jahre- und zuwenig 70er-Jahr-Feeling. Wahrscheinlich bin
ich aber auch nur ein paar Jährchen zu jung, um das hier richtig
geniessen zu können? Egal. Schöne Platte. Niedliches Cover.(19.09.2011) |
| Mekons: "Ancient & Modern 1911-2011" (Bloodshot/Sin, Sept. 2011) |
Seit einer gefühlten Ewigkeit dabei: die Mekons aus Leeds/England.
Als dilletantische Punkband haben sie mal begonnen, sind inzwischen
sowas wie die Rolling Stones des Indierocks (relevanztechnisch
gesehen, leider nicht finanziell!). Definitiv in einer eigenen Liga
und gut wie immer in den letzten Jahrzehnten - hey! der Stones-Vergleich
passt vielleicht doch nicht so ganz!(05.11.2011) |
| Wilco: "The Whole Love" (Anti/dBpm, Sept. 2011) |
Wie schön es doch manchmal sein kann, wenn jemand verläßlich
ist! Niemand ist überrascht, dass auch das neue Album der Band
den extrem hohen Standard der Vorgängeralben halten kann. Ok
- beim ersten Hören konnte ich kein neues "Imposible Germany"
finden, aber ich werd mal abwarten ...Ach ja: das Doppelvinyl inklusive CD gibt es zum erschwinglichen Preis. (21.10.2011) |
| Ryan Adams: "Ashes & Fire " (Sony/Columbia/Pax Am, Okt. 2011) |
Vor zehn Jahren war Ryan Adams mal ziemlich wichtig für mich.
Das Debüt "Heartbreaker"
und besonders der Nachfolger "Gold"
sind echte Meisterwerke. Danach ließ er langsam, aber sicher
nach - oder zumindest kam das so bei mir an. In den letzten Jahren
war es sehr ruhig geworden, aber jetzt kommt plötzlich "Ashes
& Fire" daher und ist angeblich sein bestes Album seit 10
Jahren (also seit "Gold"!).
Keine Ahnung, warum ich mir die Platte trotz dieser Marktschreierei
gekauft habe (vielleicht weil Glyn Johns produziert hat?),
aber ich kann beruhigt sagen: es stimmt tatsächlich. Welcome
Back, Mr. Adams.Wer noch ein marktschreierisches Kaufargument braucht: Norah Jones singt und spielt Klavier auf mehreren Titeln. (21.10.2011) |
| Meg Baird: "Seasons On Earth" (Wichita, Okt. 2011) |
Die Sängerin der wunderbaren amerkanischen Band Espers
mit ihrem zweiten Soloalbum. Wie auch schon bei ihrer Stammband bekommen
wird hier etwas geboten, das man früher "Folk" bzw.
"Folkrock" genannt hätte, aber eher aus England und
den frühen 70er gestammt hätte (mir fallen da natürlich
Fairport Convention mit Sandy Denny ein!). Neben 8 Originalen
werden auch zwei wirklich originelle Coverversionen geboten, etwas
was ich natürlich immer sehr schätze: "Friends"
vom fast vergessenen Duo Mark / Almond von 1972 und das eher
unerwartete, weil von 1990 stammende , aber passend umgesetzte "Beatles
And The Stones" von den leider viel zu wenig geschätzen
House Of Love. Aber immerhin
eine englische Band.(05.11.2011) |
| The Bangles: "Sweetheart Of The Sun" (Fontana/Down Kiddies!, Okt. 2011) |
Wie vielleicht bekannt ist, bin ich den Mädelz verfallen seit
ich sie damals, noch vor dem großen Durchbruch mit "Manic
Monday", in der Bochumer Zeche gesehen habe. Inzwischen sind
reichlich Jahre in's Land gegangen und die Damen machen immer noch,
bzw. wieder, gute Musik und sehen dabei immer noch unverschämt
gut aus. "Sweetheart Of The Sun" wurde von der Band zusammen mit Matthew Sweet sehr schlicht & altmodisch produziert, was mir richtig gut gefällt. Einziger Wermutstropfen: Bassistin Michael Steele, die Frau mit dem besonders schönen Vornamen, ist leider nicht mehr dabei. (04.12.2011) |
| Big Harp: "White Hat." (Saddle Creek, Okt. 2011) |
Mal wieder ein wunderbar musizierendes Ehepaar haben wir hier mit
Christopher Senseney (Gesang, Gitarre, Tasten) und Stefanie
Drootin (Bass), die noch von der Band The
Good Life kenne. Schöner Folkrock mit manchmal etwas hemdärmeliger
Country-Tendenzen, aber deswegen nicht schlechter als ohne diese.
Die LP kommt daher mit MP3-Gutschein - so wie es sich inzwischen gehört!(20.01.2012) |
| "Mirel Wagner" (Svart, Okt. 2011) |
Diese junge Sängerin stammt Finnland (!) und hat ihr Debütalbum
ganz alleine zur Gitarre eingespielt. Düsterer Folk, dessen minimale
technische Schwächen in Hinblick auf Gesang und Gitarrenspiel
mehr als wett gemacht werden durch hohe künstlerische Qualität
und Eigenständigkeit. Also kein Meisterwerk, wie gelegentlich
schon wieder behauptet wird, aber eben doch kein ganz normales Debüt.
Gerne mehr davon - und gerne auch mal mit kleiner Band.(10.12.2011) |
| Flare Acoustic Arts League: "Big Top/Encore EP²" (Affairs Of The Heart, Nov. 2011) |
Diese
Band habe ich kürzlich im Vorprogramm von Labelkollegin Maria
Taylor entdeckt, wobei "Band" wohl etwas zuviel gesagt
ist, denn es handelt sich wohl eher um das Projekt des mir bisher
unbekannten Sängers und Songschreibers LD Beghtol. Wenn
ich das jetzt richtig verstehe, dann handelt es sich hier um die Kombination
von zwei EPs auf einem Album, aber ich konnte keinen Hinweis darauf
finden, ob diese beiden EPs tatsächlich separat erhältlich
sind oder waren - Sei's d'rum, denn um die Musik zu mögen ist
die Beantwortung dieser Frage eher unwichtig. Stimmlich erinnert Beghtol
ein wenig an Morrissey. Neben eigenem Material werden sogar
einmal die fast vergessenen Psychedelic Furs aus den 80er gecovert.
Aber keine Sorge: die Band holt sich die Inspirationen für ihren
"Folkrock" (nennen wir es der Einfachheit halber mal so)
aus den guten Ecken der 80er, denn sonst würde ich die Platte
hier wohl kaum weiterempfehlen. Ach ja - die Schallplatte hat die
CD ohne grossen Aufpreis direkt mit dabei!(21.01.2012) |
| A Seated Craft:"The Savage And The Small" (Songs & Whispers, Dez. 2011) |
Das Projekt der australischen Sängerin und Songschreiberin Alexia
Peniguel, die aber inzwischen, wie viele Künstler, in Berlin
zuhause ist. Sehr zarte, aber nicht süßliche Musik. Ich
könnte viele gut gemeinte Vergleiche bemühen, lasse das
aber mal sein. Vielleicht einen leicht absurden Vergleich: eine Mischung
aus späten Talk Talk und früher Joan Baez.
So - jetzt habt ihr was zum Grübeln und ich werde noch einmal
reinhören, ob diese These wirklich haltbar ist ...(20.01.2012) |
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| Erstellt: 03.02.2011 | Letzte Aktualisierung: 18.02.2012 12:45 | 1401 Besucher seit dem 03.02.2011 |
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