Zurück Drummer/Singer/Songwriters Unten

Grenzfälle sind Liam Finn, der Sohn von Crowded House-Mastermind Neil Finn, und Chris Brokaw, weil beide eigentlich immer schon Drummer und Gitarristen waren. Aber wir wollen das hier mal nicht so eng sehen ...
(02.07.2010)

Wenn ich länger nachdenke, dann fallen mir doch noch ein paar Namen ein: da wäre zum Beispiel "Daumen Im Wind", das erste deutsche Album von Udo Lindenberg aus seiner Zeit vor dem großen Durchbruch, das ich damals eigentlich sehr schön fand, leider aber nur vom Hören bei den Kumpels in grauer Vorzeit kenne. Dann wäre da noch Ex-Nirvana Trommler Dave Grohl mit seinen Foo Fighters - aber so was mag ich nicht sonderlich.
(29.06.2010)

Singer/Songwriters, Sänger und Bands, die ihre eigenen Lieder sangen, waren ein Phänomen und zuerst noch etwas Besonders in den 60ern. Mehr als die Stichworte Bob Dylan und Beatles will ich nicht zu geben.

In den frühen 70ern war das sogar eine Erfolgsformel mit hohem kommerziellen Potential. Als Stichworte sollen hier Namen wie James Taylor und Jackson Browne reichen.

Singende und komponierende Schlagzeuger, teilweise sogar multiinstrumental begabte Trommler, sind dagegen eine ganz andere Baustelle. Weil auf dieser Seite die Namen von Phil Collins und Don Henley aber nur ein einziges Mal - nämlich gerade eben - fallen sollen, will ich mich aber auf solche Beispiele abseits des Mainstreams konzentrieren. Dagegen kann ich auf Robert Wyatt natürlich nicht verzichten. Weil es um singende und komponierende Trommler gehen soll werde ich auch auf Alben von trommelnden Bandeadern wie Cozy Powell und Keef Hartley verzichten.

Die Idee zu der Seite geistert schon länger durch meinen Kopf (beim Debüt von Christoph Kähler alias Zwanie Jonson war ich fast schon soweit), aber erst mit der völlig unbekannten Platte von Alex Sticht, dem ehemaligen Trommler der längst vergessenen Throw That Beat Into The Garbage Can aus Nürnberg habe ich mich jetzt aufgerafft ...
(20.06.2010)

Frisch ausgepackt

J. Tillman: "Vacilando Territory Blues" (Bella Union, Jan. 2009)
mehr über "Vacilando%20Territory%20Blues" Album Numero 5 vom aktuellen Schlagzeuger der Fleet Foxes. Der Vorgänger von "Year Of The Kingdom" war recht günstig zu bekommen und enthält ebenfalls wunderbare Musik abseits der Hauptstraße.
(20.01.2012)

Now ...

Zwanie Jonson: "I'm A SunshineTime" (Staatsakt, Aug. 2011)
mehr über "I%27m%20A%20Sunshine" Auch der Hamburger Trommler Christoph Kähler hat unter Pseudonym sein zweites Album am Start. Vielleicht werde ich später mehr erzählen, zuerst aber nur ein Hinweis an die anderen Kritiker: Herr Kähler bekannteste Arbeitgeber als Trommler sind sicherlich Fettes Brot und die Fanta-Vier, aber ich kenne ihn vor allem von der wunderbaren Kapelle Veranda Music und als Begleiter von Nils Koppruch (Fink) und Wolf Maahn. Aus dieser Perspektive ist sein "ausgeruhter Laidback-Softrock" dann vielleicht auch nicht mehr so ganz so überraschend.
Kauftipp: das Vinyl mit beiliegender CD!
(10.09.2011)
Brent Cash: "How Strange It Seems" (Marina, Mai 2011)
mehr über "How%20Strange%20It%20Seems" Album #2 des Trommlers aus Athens/Georgia, der den schönsten 60er-Pop seit den Beach Boys, The Association und The Free Design erschafft. Und das alles natürlich bei dem besten Label für solche Musik: Marina Records aus Hamburg, die nach einer Pause von etwa zwei, drei Jahren zum Glück doch weiter am Start sind. Das freut mich sehr. Auf Brent Cash bin ich im übrigen vor wenigen Monaten ganz unspektakulär über Datenbankrecherche gestossen: nachdem mich das Comeback von The Free Design bei Marina so beeindruckt hatte gab ich bei einem Internethändler meines Vertrauens in dessen Suchmaschine zwei kleine Suchbegriffe ein: Marina und Vinyl: eine der Empfehlungen war das 2008er Debüt "How Will I Know If I'm Awake" von dem mir bislang völlig unbekannten Brent Cash, welches ich dann sofort geordert habe. Das neue Album hab ich jetzt sofort geordert und kann schon nach dem ersten Hören sagen: noch besser als beim ersten Versuch!
(10.06.2011)
Tim Neuhaus: "The Cabinet" (Grand Hotel van Cleef, Jan./März 2011)
mehr über "The%20Cabinet" Der mir bislang unbekannte Tim Neuhaus ist studierter Schlagzeuger und war Begleiter u.a. bei Künstlern wie Clueso oder der Blue Man Group und legt hier auf dem schicken Hamburger Plattenlabel von Kettcar und Tomte ein tolles Debütalbum als Singer/Songwriter vor. Geboten wird unspektakulärer, englisch gesungener Folkpop der guten Art, der mit wiederholtem Hören noch besser wird.
Die CD gab's bereits im Januar, das Vinyl vom März ist mit Downloadgutschein: wie immer eine Freude so etwas!
(20.03.2011)
Phil Selway: "Familial" (Bella Union, Aug. 2010)
mehr über "Familial" Phil Selway ist natürlich in erster Linie als Drummer von Radiohead bekannt. Auch bei Neil Finns "7 Worlds Collide"-Sessions in Neuseeland hat er mitgemischt - zuletzt sogar mit zwei eigenen Songs, selbst gesungen und mit der akustischen Gitarre vorgetragen. Das war schöner Folk, der so garnichts mir Radiohead zu tun hat und sogar in einem Fall ("The Tie That Binds") zu den Höhepunkten der "7 Worlds Collide"-Aufnahmen gehört. Offensichtlich hat ihm dieser Ausflug in fremdes Terrain so gut gefallen, dass er das Ganze jetzt zu einem kompletten Album ausgebaut hat, auf dem kaum getrommelt (ab und zu ist Wilcos Glen Kotche zu hören), aber viel gesungen und geschrammelt wird. Mag ich.
(08.09.2010)
J. Tillman: "Year Of The Kingdom" (Western Vinyl, Sept. 2009)
mehr über "Year%20Of%20The%20Kingdom" Jay Tillman aus New York ist eigentlich Schlagzeuger von Beruf, aber gleichzeitig auch einer der vielen zauselbärtigen Singer/Songwriter, denen die Zusammenführung von Akustikgitarre, Banjo und Computerloops wie selbstverständlich von der Hand geht. Laptop und Nick Drake sind eben doch kein Wiederspruch. Sechs CDs soll es von dem Mann schon geben, aber erst kürzlich bin ich über ihn gestolpert, wahrscheinlich irgendwo im Internetz, und erfahre jetzt sogar, dass er seit kurzem auch bei den Fleet Foxes hinter dem Schlagzeug sitzt - und natürlich auch zu derem gesanglichen Wohlklang beiträgt.
(17.01.2010)
Sticht: "Small City Lights" (Micropal, 2008)
Alex Sticht trommelte in den 80ern bei den legendären Throw That Beat In The Garbage Can und in den letzten Jahren bei Missouri. Sein Debüt als Sänger, Gitarrist und Songschreiber ist zwar nicht spektakulär, aber doch schön anzuhören.
(20.06.2010)
Beachfield: "Brighton Bothways" (Tuition, Okt. 2007)
mehr über "Brighton%20Bothways" Ein und ein halbes Jahr nach dem Tod von Grant McLennan und somit dem Ende der Go-Betweens gibt es ein kleines freudiges Ereignis in Form des ersten Soloalbums von Glenn Thompson, dem letzten Schlagzeuger meiner Lieblinxband. Schon auf "Worlds Apart" konnte man erahnen, dass der Mann mehr als Trommeln kann, denn bereits dort sorgte er im Studio für die eine oder andere Gitarren- und Keyboardeinlage. Auch live wusste er als Chorsänger zu gefallen. Dass er als Songschreiber und Leadsänger bei den Go-Betweens keinen Platz hatte war klar, aber er holt es jetzt nach: und gar nicht mal so schlecht! Eine angenehme Gitarrenpop-Platte ohne virtuoses Gefrickel (Glenn spielt alle Gitarren und Keyboards absolut songdienlich selber). Allerdinx finde ich nicht, dass er wie Grant McLennan singt, wie in einer Rezension behauptet wird. Oder gar die Go-Betweens ersetzten könne. Oder wollte.
(31.12.2007)
Brent Cash: "How Will I Know If I'm Awake" (Marina, Feb. 2008)
mehr über "How%20Will%20I%20Know%20If%20I%27m%20Awake"
(10.06.2011)
Liam Finn: "I'll Be Lightning" (Haldern Pop/Liberation, Aug. 2007/Okt. 2008)
mehr über "I%27ll%20Be%20Lightning" Die Konzerte von Liam zusammen mit seiner Freundin sind der reinste Wahnsinn, wie ich auf neulich auf YouTube  erfahren habe: zuerst wird mit der Gitarre ein Riff gespielt und mit einem Sampler aufgenommen, teilweise mehrere Schichen übereinander gelegt. Dann springt er an das Schlagzeug (so weit ich weiß, eigentlich sein Hauptinstrument!) und prügelt dazu die wildesten Rhythmen. Absolut sehenswert!
Die CD ist eine ganz andere Baustelle: gesangs- und gitarrenlastiger Singer/Songwriter-Folk-Pop, bei dem das Schlagzeug eine relativ untergeordnete Rolle spielt, mit gelegentlichen modern-elektronischen oder brachial-rockigen Einlagen. Liams familiärer Hintergrund kann und muss auch nicht verdrängt werden. Natürlich gehört er als Sohn von Neil zum neuseeländischen Musikclan der Finns, der mit Onkel Tim Finn (und dann auch Papa Neil Finn) mit der Band  Split Enz begann und seinen bisherigen Höhepunkt in Crowded House (vor allem die Band von Papa Neil, gelegentlich aber auch mit Onkel Tim und sogar Liam als Tourgitarrist, wie zuletzt 2007!) fand. Zwar hat Liam Finn auf seinem Solodebüt fast alles selber gemacht (Gesang, Gitarre, Schlagzeug, Tasten), aber es gab familiäre Unterstützung: Papa Neil Finn ist einmal am Bass dabei, Matt Eccles, Trommler seiner alten Band Betchadupa, hilft auch gelegentlich aus.
In Australien/Neuseeland (bei Liberation) und in den USA (bei YepRoc) erschien das Album bereits im vergangenen Jahr. Jetzt gibt es es auch bei uns: und zwar beim kleinen, aber feinen Label vom Haldern-Pop-Festival, das uns vor kurzem auch schon das 2006er-Werk von William Fitzsimmons näher gebracht hat. Wenn "alte" Sachen so hübsch und zeitlos sind wie bei diesen beiden CDs, dann habe ich natürlich nichts gegen das Auftragen alter (günstiger?) Klamotten.
(26.12.2008)
Zwanie Jonson: "... It's Zwanietime" (Buback Tonträger/Hoobert, Juni 2007)
mehr über "...%20It%27s%20Zwanietime%21" Christoph Kähler, Schlagzeuger für Veranda Music, Nils Koppruch und Wolf Maahn, hat im letzten Jahr fast unbemerkt ein wunderschönes Soloalbum herausgebracht, irgendwo zwischen Folk, Gitarrenpop und Barjazz angesiedelt. Ich sag mal: Brian Wilson und die Beatles sind nicht weit weg. Alles selber komponiert und ganz toll gesungen - und dazu auch noch fast alles selber eingespielt, aber es hat gar nichts von dilletantischem bis höchstens charmantem Homerecording, sondern klingt auch noch richtig gut produziert.
Singende & komponierende Trommler - das scheint ja ein neuer Trend zu sein (hallo Mathias!).
(09.03.2008)
"Tim O'Reagan" (Lost Highway, Juni 2006)
Tim O'Reagan war Schlagzeuger bei den Jayhawks (ab Mitte der 90er bis zur Bandauflösung ca. 2003) und überzeugte dort bereits durch seinen Chorgesang (vor allem, seit Mark Olson von Bord gegangen war) und auch gelegentliche Eigenkompositionen. Anscheinend konnte er nach dem Ende der Jayhawks die Geldgeber bei Lost Highway, dem letzten Vertragslabel der Band, dazu überreden, ein Soloalbum zu finanzieren. Das ist sogar recht schön geworden, hat aber leider wohl kaum was verkauft, denn es gibt anscheinend keinen Nachfolger. Schade eigentlich. mehr über "Tim%20O%27Reagan"
(16.10.2010)
Chris Brokaw: "Wandering As Water" (RTS 42, Juni 2003)
Chris Brokaw war mal Schlagzeuger der (Slow-Metal?)-Band Codeine, danach Gitarrist bei Come und zuletzt mit Chris Eckman und Hugo Race im Projekt Dirt Music zu hören. "Wandering As Water" ist sein Debüt als Solist, eingespielt am 24.02.2003 nur mit einer Akustikgitarre, gelegentlich verzerrt, ab und zu von einem Tamburine unterstützt. Es gibt viele Instrumentalstücke, gesanglich hält sich Chris eher zurück, obwohl er keine schlechte Stimme hat. Der Stil lässt sich nur schwer definieren: kein Rock, kein Folk: einfach sehr eigenwillig. Rhythmisch ist das manchmal sehr vertrackt - da kommt wohl immer noch der Ex-Schlagzeuger durch (Hallo Mathias!). Vielleicht hilft der Hinweis auf die beiden Coversongs: "Ba-De-Da" von Fred Neil und "Embryonic Journey" von Jorma Kaukonen (Jefferson Airplane).
(29.05.2009)

... and Zen

Grant Hart: "Intolerance" (SST, Nov. 1989)

Nach dem Trennungsfrust von Hüsker Dü spielte deren Drummer Grant Hart sein Solodebüt ganz alleine ein, wobei das Schlagzeug eher eine untergeordnete Rolle spielt und manchmal sogar stattdessen eine Drum-Machine eingesetzt wird. Beeindruckend ist eine Orgel, die Hart im Studio vorfand und dann bei fast allen Titeln einsetzte. Mit dem Undergroundhit "2541", später von Robert Forster und sogar von meinen Rusty Nails gecovert!

Wie konnte ich Grant Hart, den Inbegriff des singenden und komponierenden Schlagzeugers nur vergessen? Asche auf mein Haupt!
(04.12.2010)

"Guru Guru Mani und seine Freunde" (Atlantic, Aug. 1975)

Ende 1974 stand Guru Gurus Trommler Mani Neumeier nach dem Ausstieg von Gitarrist Conny Veit und Bassist Hans Hartmann alleine da. Auf Anraten seiner Freunde von Kraan machte er sich an sein erstes Soloalbum, bei dem er von Musikern von Kraan (Bassist Hellmut Hattler, Trommler Jan Fride und Gitarrist Peter Wolbrandt), Karthago (Keyboarder Ingo Bischof und Perkussionist Tommy Goldschmidt) und Harmonia (Dieter Möbius und Achim Roedelius) unterstützt wurde. Dazu kamen Jazzsaxofonist Gerd Dudek und Bluespianist Champion Jack Dupree. Mit Jogi Karpenkiel und Sepp Jandrisits waren auch zwei Musiker der nächsten Guru Guru Besetzung ("Tango Fango" von 1976) dabei, wobei für mich unklar ist, ob es zum Aufnahmezeitpunkt, April 1975, eine aktive Guru Guru-Besetzung gab oder nicht. Aber im Grunde ist das bei dem tollen Ergebnis egal, denn die Sessions müssen wohl allen beteiligten Musiker riesigen Spaß gemacht haben.
(16.07.2008)

Mani Neumeier hatte ich in diesem Zusammenhang fast vergessen! Zu meiner Entschuldigung möchte ich anführen, dass Mani Neumeier in erster Linie doch Trommler (und Entertainer!) ist und kein "Singer/Songwriter" im klassischen Sinne! Ausserdem versucht er sich, anders als die meisten der hier präsentierten Kollegen, nicht als Gitarrist oder Keyboarder.
(11.07.2010)

"Matching Mole" (Columbia, April 1972)
Im Oktober 1971 formierte Schlagzeuger und Sänger Robert Wyatt eine Gruppe aus Mitgliedern diverser Canterbury Bands: Keyboarder Dave Sinclair hatte Caravan nach "In The Land Of Grey And Pink" verlassen, Bassist Bill MacCormick spielte mit Roxy Musics Phil Manzanera bei Quiet Sun und Gitarrist Phil Miller spielte mit seinem Bruder Steve, welcher wiederum Sinclair auf "Waterloo Lily" bei Caravan ersetzt hatte, bei Delivery). Wyatt benannte die Band als kleinen Scherz auf Soft Machine, wo er gerade ausgestiegen war (lautmalerisch für die französische Übersetzung von "soft machine": "machine mole". Auf dem Cover sind auch 2 Maulwürfe zu sehen).
Wyatts Musik zu dieser Zeit, begonnen mit seiner ersten Solo-LP "The End of an Ear", war eine Art Free-Jazz-Rock, ausgedehnte, recht komplexe Jams, in denen die Solisten ihr Können zeigten und der Leader seine dadaistischen Klang- und Stimmimprovisationen einflochten. Wer also Jazz und Freejazz schätzt, sollte mit "Matching Mole" weniger Probleme haben (im Gegenteil!). Der erste Titel "O Caroline" ist ein wunderschönes Liebeslied an WYATTs damalige Flamme Caroline Coon gerichtet, auf dem er sich selbst auf dem Mellotron begleitet. Danach kommen vor allem lange Jamsessions, die den Rest der Platte einnehmen, immer wieder bereichert durch WYATTs bizarre Vokals und eigenwillige Keyboardeinlagen, die schon einen Vorgeschmack auf sein späteres Schaffen geben, bei denen er sich, wie z.B. auf "Dondestan", meist nur selbst auf Keyboards und Perkussionsinstrumenten begleitet. Seit 1973 sitzt Wyatt nach einem Unfall hüftabwärts gelähmt im Rollstuhl und kann das Schlagzeug im herkömmlichen Sinne (d.h. auch mit den Füssen) nicht mehr spielen.