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Archiveintrag #5876 (693086)
Plattentipp!Plattentipp  
Interpret
Walter Wegmüller 
Titel
Tarot 
Veröffentlichung
Oktober 1973
Aufnahme
Dezember 1972 
Label
Ohr 
Tonträgertyp
Album (LP) 
Instrumentalstil
 
Musikstil
 
Essembleart
 
Besetzung
Walter Wegmüller (v), Jerry Berkers (bg, v), Jürgen Dollase (p, org), Hartmut Enke (g), Manuel Göttsching (g), Harald Großkopf (dr), Klaus Schulze (synth), Walter Westrupp (recorder, v) 
Produzent
Rolf-Ulrich Kaiser, Gille 
Mit eigenen Worten ...
Ein esoterisch angehauchtes, damals von mir überhaupt nicht wahrgenommenes Doppelalbum aus der Krautrockzeit über Tarot-Karten, gesprochen vom Schweizer Dichter (?) Walter Wegmüller, organisiert und produziert vom (zu Recht!) sehr kontrovers diskutierten Rolf-Ulrich Kaiser und seiner "Muse" Gille. Das sollte eigentlich Warnung genug sein, um diesem "Werk" aus dem Weg zu gehen, wenn mich da nicht die illustre Besetzungsliste der Begleitband neugierig gemacht hätte. Das waren alles Musiker aus den Bands, die Kaiser damals auf seinen Labels Ohr und Pilz unter Vertrag hatte: Keyboarder Jürgen Dollase, Schlagzeuger Harald Großkopf und Bassist Jerry Berkers von Wallenstein, "Multiinstrumentalist" Walter Westrupp vom Duo Witthüser & Westrupp (ich kann ihn hier aber nur mit ein paar sehr charmanten Blockflötentönen heraushören!), Klaus Schulze am prähistorischen Synthesizer, sowie Manuel Göttsching und Hartmut Enke von der ebenfalls elektronisch orientierten Band Ash Ra Tempel, die sich hier aber beide sehr kompetent als Rockgitarristen präsentieren. Diese "Allstarband" entwickelt hinter den vorgetragenen Texten und in längeren Instrumentalpassagen eine spannende Musik im Grenzbereich von Rock, Folk und Elektronik.

Die Wirkung der anscheinend ernsthaft gemeinten - und mich eher irritierenden - Texte wird durch den Vortrag von Wegmüller mit seiner nicht zu überhörender Schwyzerdütsch-Einfärbung - und einmal von Jerry Berkers mit holländischem Akzent - doch angenehm gemildert. "Kosmische Weisheiten" klingen mit Schweizer Akzent für meine Ohren eben nicht mehr ganz so pathetisch. Eher lustig. Außerdem haben damals ja auch englische Bands wie Hawkwind Ähnliches in der Verbindung von Kosmos, Poesie und Rock'n'Roll gemacht. Mich würde eigentlich nur noch interessieren, was die teilweise doch eher bodenständigen Musiker ("bodenständig" für Hippieverhältnisse - zumindest würde ich die drei beteiligten "Wallensteine" so einschätzen!) wohl selber von dem von Herrn Kaiser verpassten Bandnamen "Kosmische Kuriere" gehalten haben.

Mehr oder weniger zeitgleich entstanden im Studio vom legendären Dieter Dierks im Kölner Vorort Stommeln auch die von mir sehr geschätzten Alben "Mother Universe" von Wallenstein, "Unterwegs" von Jerry Berkers und "Bauer Plath" von Witthüser & Westrupp!

Das Original auf Doppelvinyl aus den 70ern, mit echten Tarotkarten, soll heutzutage angeblich unbezahlbar sein. Die Doppel-CD vom französischen (!) Label Spalax (ohne Karten) ist aber über das Internet immer noch zu bekommen. Aufgeschlossenen Geistern mit Sinn für das Kuriose, aber auch mit Sinn für musikalische Substanz, kann ich diese CD nur wärmstens empfehlen!
(2008-08-03)