"Ich bin froh, dass die jungen Gitarristen wissen, wie ich klinge", meinte John Scofield vor ein paar Jahren zu den Schülern seiner Meisterklasse an der New York University. "Das heißt, sie wissen, dass ich existiere. Also bin ich. Ich muss aber einräumen, dass ich auch gleich denke: Warum sollte jemand wie ich klingen wollen? Denn ich höre die ungeschliffenen Ecken und Kanten in meinem eigenen Spiel und auch die Dinge, die ich lieber nicht tun würde."
John Scofield war schon immer ein Meister des Understatements. Dabei weiß er sicher nur zu gut selbst, dass es gerade diese sehr individuellen Ecken und Kanten sind, die Jazzkritiker und -fans an seinem Gitarrenspiel schon seit über vierzig Jahren so sehr lieben. Viele Gitarristen haben versucht ihn zu kopieren, gelungen ist es bis heute aber noch keinem. Erschwerend kommt für Nachahmer hinzu, dass Scofield mit allen erdenklichen stilistischen Wassern gewaschen zu sein scheint. Ihn auf ein Genre festlegen zu wollen, ist als würde man versuchen, einen Pudding an die Wand zu nageln. Seine Wurzeln hat "Sco" zwar eindeutig im Jazz, Blues und Rock, aber mit derselben Selbstverständlichkeit handhabt er auch Soul, R'n'Bs, modernen Funk, oder gar Reggae und Afrobeat. Und bleibt dabei doch immer unverkennbar er selbst.
Nachdem sich Scofield ab den späten 1970er Jahren mit Soloalben für die Labels Enja und Arista Novus eine eingeschworene Fangemeinde erspielt hatte, gelang ihm 1982 der endgültige Durchbruch, als ihn der wieder auf die Szene zurückgekehrte Miles Davis in seine Band holte. Dreieinhalb Jahre lang tourte der Gitarrist mit der Jazzikone durch die Welt und prägte die Davis-Alben "Star People", "Decoy" und "You're Under Arrest" maßgeblich mit. Zur selben Zeit begann er für Gramavision eine Reihe von exzellenten Alben aufzunehmen, auf denen er mit unglaublich groovigem Funk-Jazz glänzte. 1989 erhielt er dann seinen ersten Vertrag bei einem Major-Label: Blue Note Records. Die Alben, die Scofield dort bis 1995 einspielte, bieten zeitgenössischen Jazz mit einer Vielfalt unterschiedlicher Einflüsse - von Hard-Bop über Soul-Jazz bis hin zu Ornette Coleman und Country. In der preiswerten CD-Box "5 Original Albums" sind fünf dieser Blue-Note-Soloalben nun erstmals zusammen erhältlich. Ausgestattet ist die Box mit Original-Artwork, Stecktaschen-CDs und einem attraktiven Schuber.
Als das "verheißungsvollste Gitarristengespann seit John McLaughlin und Carlos Santana" wurden John Scofield und Bill Frisell in den 1980er bejubelt, als sie in Marc Johnsons Band Bass Desires das erste Mal zusammenspielten. Auf "Grace Under Pressure" kam es 1992 zu einer erneuten Kooperation zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen, aber bestens miteinander harmonierenden Saitenkünstlern. Anstelle von Marc Johnson und Peter Erskine bildeten diesmal aber Charlie Haden und Joey Baron das agile Rhythmusgespann. Für zusätzliche Klangfarben sorgte bei einigen Nummern außerdem ein dezent spielendes Bläsertrio.
John Scofield and Bill Frisell, two of the most distinctive guitarists of the 1990s (they previously fronted Marc Johnson's band Bass Desires,) team up on this quartet date with bassist Charlie Haden and drummer Joey Baron. While Scofield contributed all ten originals, Frisell with his wide variety of sounds and eccentric solos often comes close to stealing the show altogether. Five of the ten numbers add a three-piece brass section for color. The interplay between the two very different yet complementary guitarists is notable.
(by Scott Yanow, All Music Guide)